Ein Öffentlicher Entschuldigungsbrief

Von Florian Berndt

SorryIch möchte diesen Brief mit einer Warnung beginnen. In letzter Zeit wurde ich immer mehr überwältigt von der unglaublichen Liebe die uns unser Vater, der Abba Jesu, jeden Augenblick unseres Lebens entgegenbringt. Diejenigen von Euch die mich schon länger kennen, wissen wie diese Liebe nicht nur meine Theologie sondern auch mein Leben und meine Beziehungen radikal auf den Kopf gestellt hat. Die Bibel nahm größere Dimensionen an und die Freude absoluten Angenommenseins kam manchmal tage- oder wochenlang in gewaltigen Wellen über mich. Alles begann auf einmal Sinn zu machen. Das Hauptresultat ist, dass ich es vermehrt lerne aus meinem Herzen zu leben und mich nur noch wenig um religiöse Gepflogenheiten schere. Sollte also jemand diesen Brief lesen, der den geistlichen Anschein einem ehrlichen Leben im Licht vorzieht, so ist es besser hier aufzuhören, bis derjenige bereit ist nackt und ohne Feigenblätter vor unserem Papa zu stehen.

Es ist nicht meine Absicht irgend jemandem mit diesem Brief auf die Zehen zu treten oder zu provozieren, und auch wenn ich mir sicher bin, dass meine Wort hier in manchen Kreisen höchstwahrscheinlich verdreht und gegen mich verwendet werden um mir allerlei falsche Motivationen unter zu schieben, so hoffe ich doch, dass die Mehrheit unserer Leser mein Herz hinter diesen Worten heraushören werden. Meine Absicht hinter diesem Schreiben ist Versöhnung und dass die Leser Abbas überwältigende Liebe ganz persönlich für sich erfahren und in der Gewissheit Seiner Güte und Annahme leben können. Dafür nehme ich auch gerne ein paar negative Reaktionen in Kauf, wohlwissend, dass es anderen Menschen bei weitem schlimmer ergeht.

Wie gesagt, dies ist ein Entschuldigungsbrief. Denn je länger ich in dieser Reise in der Liebe des Vaters unterwegs bin, um so mehr wird mir bewusst von was Jesus uns befreit hat. Und damit meine ich nicht nur die offensichtlichen Ablenkungen unserer Gesellschaft, sondern auch die billige Ersatzdroge der Religon, welche uns glauben macht, wir wären in Kontakt mit einem Gott, der in Wahrheit nichts weiteres als eine Projektion unserer Ängste und unserer Schuld ist – für welche wir dann genug Beweise anhand aus dem Kontext herausgerissener Schriftstellen, schlechter Theologie, und aufpolierter Glaubenszeugnisse des Aberglaubens finden. Wie anders ist der Abba Jesu! Und ich rede hier aus persönlicher Erfahrung.

Sehr oft lernen wir über diesen falschen Gott von den ersten Autoritätspersonen in unserem Leben kennen – bewusst oder unbewusst, oft mehr durch ihre Taten als durch ihre Worte. Von unseren Eltern mögen wir einen Gott vermittelt bekommen, dessen Enttäuschung über unser kindliches Verhalten sich auf ihren Gesichtern wiederspiegelte. Später identifizieren wir diesen Gott vielleicht mit den pedantischen Ansprüchen unserer Lehrer in der Schule. In der Gemeinde lernen wir dann oft einen Gott kennen der sich ständig über unseren Mangel an Teilnahme an den Gottesdiensten und Gebetstreffen beschwert, ein Gott dessen Hauptanliegen es ist, dass sich die Sitze oder Kirchenbänke am Sonntag füllen und dem wir es nie recht machen können.

Als Jugendliche bemerken wir, dass dieser Gott eine regelrechte Obsession in Bezug auf Sexualität, Alkohol, Musikgeschmack und dergleichen entwickelt hat. Und nach all den Jahren der Indoktrination bemerken wir vielleicht endlich wie all die Autoritätspersonen in unserem Leben Gott dazu benutzt haben uns in Schach zu halten. Der Prozess der Vergebung beginnt dann hoffentlich nach einer Zeit der absoluten Desillusionierung, nachdem wir bemerken wie die erwähnte religiöse Indoktrination dazu geführt hat, dass unsere Herzen von Kindheit an Gott mit Angst und Kontrolle assoziert haben. 

Wie so viele andere, habe auch ich dies erlebt und die Zerbrochenheit und Traumata die ich in meinen jüngeren Jahren erlebt habe, machten ein ein ideales Ziel für religiösen Fanatismus aus mir – und so suchte ich meine Identität und meinen Wert in religiösen Aktivitäten. Und ich meine hier nicht nur Gottesdienstbesuche und Bibelstudium, sondern auch ansonsten gute Dinge, wie Gebet, die Ausübung geistlicher Gaben, Fürbitte und Fasten. Bis zum heutigen Tag gibt es Menschen die sich an mich von damals erinnern und mich als Extremisten abgestempelt haben. Um die Wahrheit zu sagen, ich habe einfach nur ernst genommen was mich gelehrt wurde. Und weil ich unter allen Umständen Akzeptanz von Gott wollte, den ich durch das Beispiel meiner Autoritätspersonen wahrnahm, tat ich alles um genau dies zu bekommen.

Die Wahrheit ist, ich driftete mehr und mehr weg von dem was ich tief in meinem Herzen ersehnte. Und als Folge wurde ich immer mehr wie der Gott dessen immer schwerer zu erfüllenden Ansprüche mich fast in den Wahnsinn trieben. Doch anstatt dies anzuerkennen, involviert ich mich in sogenannter geistlicher Kriegsführung um meine Probleme nach außen zu projezieren. Denn offensichtlich quälte mich etwas und versuchte mich meinen Glaubens zu berauben. Mehr Bibelstudium, Seelsorge, Befreiungsdienst, mehr Buße, mehr Gebetstreffen und Verschlingen von geistlicher Literatur – es half alles nichts. Um es genau zu nehmen, all diese Dinge waren nichts weiter als das Resultat einer religiösen Abhängigkeit die mich vor echten Beziehungen mit meinem Papa, Jesus, dem Heiligen Geist und anderen Menschen abschirmte.Traurigerweise sind in religiösen Kreisen manche Abhängigkeiten mehr akzeptiert als andere und so brauchte es eine Weile bis ich auf den Trichter kam.

Nach einem geistlichen Zusammenbruch/Durchbruch stellte mich Jesus Seinem und meinem Abba vor – und nichts würde mehr das selbe sein. Alles hat sich in den letzten Jahren verändert und es gibt keine Weg zurück mehr. Als Resultat bin ich mir bewusst, dass auch ich das Herz unseres Vaters misrepräsentiert habe – vor, während und nach meiner religiösen Abhängigkeit – und es wahrscheinlich immer noch tue.

Und deshalb möchte ich mich in aller Öffentlichkeit bei jedem entschuldigen dem ich jemals ein falsches Gottesbild vermittelt habe oder den ich aufgrund meines eigenen verstörten Gottesbildes verletzt habe. Stellvertretend möchte ich mich auch bei all denen entschuldigen die von uns, die wir behauptet haben Gott zu kennen, ein Gottesbild vermittelt bekommen haben das nicht dem Gott und Vater Jesu Christi entspricht.Ich entschuldige mich dafür wo ich einen narzistischen Gott vermittelt habe, der mehr mit seiner eigenen Ehre als mit dem Wohlergehen seiner Schöpfung beschäfttig ist. Einem Gott der unser Leben ruiniert, Krankheiten und Tragödien entfacht, Beziehungen zerstört und Familien und Freundschaften auseinandereißt um unsere alleinige Aufmerksamkeit zu bekommen.

Und ich entschuldige mich dafür, jemals einen Gott verkündet und vorgelebt zu haben, der es nicht abwarten kann diesen Planeten – der in Wahrheit nur auf das Offenbarwerden der Kinder Gottes wartet, wenn sich das Reich und der Wille Abbas hier auf Erden wie im Himmel manifestiert – auszuöschen. Ich entschuldige mich dafür, dass ich jemals einen Gott bezeugt habe, der so zornig mit uns ist, dass er Seine Wut an seinem Sohn auslassen mußte um uns nicht alle von seinem Angesicht verbannen zu müssen, der so angeekelt von uns ist, dass er uns nicht einmal anschauen kann, es sei denn wir verstecken uns hinter unserem älteren Bruder. Ich entschuldige mich für einen Gott der Ungläubige oder Andersgläubige als Bürger zweiter Klasse ansieht und der nicht warten kann seinen ‚gerechten Zorn‘ über ihnen auszugießen. Ja, ich entschuldige mich für all die falschen Gottesbilder die wir dieser Welt in unserer Ignoranz aufgepresst haben. Dies ist nicht der Gott der Bibel. Dies ist nicht der Abba Jesu.

Es tut mir aufrichtig leid. Und wer auch immer du bist, du bist geliebt. Mehr als du dir in deinen wildesten Träumen vorstellen könntest. Du bist angenommen und ich heiße dich willkommen. Willommen in der Familie!

(Anmerkung: Florian Berndt ist einer der Gründer von Fatherheart Ministries Germany, einer Gruppe von deutsch und englisch sprechenden Christen die von der Offenbarung des Vaters angesteckt wurden. Fatherheart Ministries Germany ist Teil des Fatherheart World Netzwerkes. Als Mitglieder von PAPA (Perichoresis Association of People Adopted), leitet er, zusammen mit seiner Frau Clare, auch Perichoresis Germany, den deutschen Zweig von von Perichoresis Ministries Inc.)

6 Gedanken zu „Ein Öffentlicher Entschuldigungsbrief

  1. Wow !!! Ich bin zu tiefst berührt und angesprochen von deinem Brief. Er hat meine tiefsten Herzens-Ahnungen die noch etwas wackelig auf den Beinen sind und Erlebnisse darin bestätigt. ABBA Papa ist ganz anders als uns das ganze Christliche Gemeindesystem dieser Welt seit Jahren vormacht und lehrt. Ich bin Malerin und Künstlerin und liebe die Freiheit und lasse mich nicht einsperren in Meinungen doch oft habe ich die tiefe Ahnung immer noch nicht in der Freiheit zu sein die ABBA Papa für mich wirklich hat..Du sprichst in deinem Brief aus meinem Herzen. Die Gesetzlichkeit und Religiösität hat sich wie ein Selbsterlösungs- wahn auf uns gelegt. Ich hoffe das die große Befreiung für uns alle daraus noch kommt.
    Liebe Grüße
    Katja Vosseler

    • Hallo Katja,
      danke für die ermutigenden Worte. Habe gerade Deine Webseite angeschaut – super!!! Lass Dich nicht entmutigen, es bewegt sich so einiges da draußen. Die Tage der Religion sind gezählt…;)

      Papas Segen,

      Florian Berndt

  2. Hallo Florian,
    danke für Deinen Bericht. Du hast mir soooo aus dem Herzen gesprochen. Das was Du geschrieben hast, hätte auch von mir sein können. Ich bin mit 17 zum Glauben gekommen und dachte immer, so wie man uns „den Glauben“ lehrte ist es richtig. Nur, ich lernte ganz viel über Jesus und Gott, aber irgendwie kam ich nie mit IHM selber wirklich in Kontackt. Es ging um Dienste und treue zur“Gemeinde“. ÜberJahre hinweg merkte ich, das es mir immer schlechter ging und ich sogar dachte, was hat die Bibel eigentlich mit mir und meinem Altag zu tun. Gott schien meilenweit weg. 2008 landete ich dann im Burnout, und nichts ging mehr. Ich fühlte mich nur noch wie eine leere Hülle, die in der Gemeinde und am Arbeitsplatz funktionieren muß. Heute weiß ich, das Jesus die Notbremse gezogen hat, und mich aus allem rausgenommen hat, um wirklich mit IHM selber in Kontackt zu kommen. Heute weiß ich, ER mußte mich“entreligiösisieren“. Ich ging dann mit einer Freundin zur Vaterherzkonferenz nach Hannover. Und da lernte ich ABBA PAPA kennen. Seid dem ist alles anders. ER schaffte einen Zugang zu mir über mein eigenes Herz, denn langsam wird es wieder lebendig. Mein Herz ging mir ja über all die Jahre verloren. Heute wünsche ich mir nichts sehnlicher, das der religiöse Geist entlarft wird in den Gemeinden und sich endlich alles nur noch um Jesus und PAPA dreht und nicht so sehr um Programme, Liturgien und Formen, sondern, das da, wo Jesus drauf steht, auch wirklich Jesus drin ist! Also, danke noch mal. Mach weiter so. Liebe Grüße, Giesa

    • Hallo Giesa,
      vielen Dank für die ermutigenden Worte! Ja, ich verstehe Dich. Mir geht es ganz ähnlich. Ich glaube so langsam dreht sich der Wind…

      Papas Segen,

      Florian

  3. Hallo Florian,

    leider habe ich erst jetzt Deinen sooo treffenden Brief gelesen. Ich bin ebenfalls davon überzeugt, dass vieles was Gott sagt, falsch gelehrt wird. Vieles ist entweder zu schwarz /weiß oder zu schwammig.
    Letztes Jahr durfte ich Gottvater ganz neu durch fatherheartministries in NZ kennen lernen. was mir vertraut war, wurde erschüttert und Neues ist geworden.
    Möge Gott Dich weiterhin in seiner Liebe leiten.

    Liebe Grüße, Bettina.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.