Das Mutterherz des Vaters

Von Denise Jordan

“Wie eine Mutter, die ihr Kind tröstet, so werde ich euch trösten; und ihr werdet getröstet sein …” (Jesaja 66,13, direkt aus dem Englischen übersetzt)

 Als ich als junger Christ versuchte mein Leben in den Griff zu bekommen, und mit dem Gedanken an Gott als Vater kämpfte, wünschte ich mir sehnlichst, dass Gott eine zärtliche, fürsorgende Seite hat, der ich vertrauen könnte. Mein irdischer Vater hatte unsere Familie verlassen und allein meine Mutter war zurück geblieben.  Deshalb wünschte ich mir, dass der Vater auch etwas von der Liebe einer Mutter in sich trägt. Ich wollte sicher gehen, dass Gott in der Lage ist sich mit mir als Frau zu identifizieren.

Damit möchte ich nicht sagen, dass alle Mütter ihre Kinder mit Liebe und Fürsorge überhäuft haben. Als James und ich im Reisedienst unterwegs waren, um über die Liebe des Vaters zu sprechen, kamen häufig Menschen hinterher auf uns zu und erzählten uns: “Meine Probleme hatten nicht wirklich etwas mit meinem Vater, sondern eher mit meiner Mutter zu tun.” Es spielt jedoch keine Rolle, ob wir es schwierig finden unser Herz gegenüber Männern oder gegenüber Frauen zu öffnen,  weil wir uns letztendlich alle nach derselben zärtlichen Liebe sehnen, die tröstet und sich um uns sorgt.

Das Ebenbild Gottes

Gott erschuf den Menschen als Sein Bild, als Bild Gottes erschuf Er ihn. Männlich und weiblich erschuf Er sie. (Genesis 1, 27)

Es braucht sowohl den Mann, als auch die Frau, um das Ebenbild Gottes vollkommen auszudrücken. Die Ausdrücke “männlich’ und “weiblich” bezeichnen in Genesis 1, 27 hauptsächlich nicht die biologischen und sexuellen Charakterzüge einer Person. Gott hat keinen Körper, Er ist Geist. Aber die Art und Weise wie Er uns als Menschen geschaffen hat, offenbart etwas  über Seinen Charakter und was Er sich für jeden einzelnen von uns innerhalb einer Familie wünscht. Die Ausdrücke ‘maskulin’ und ‘feminin’ sind wahrscheinlich besser geeignet, um Gottes Ebenbild in uns Menschen  zu beschreiben. Denn alle maskulinen und femininen Charakterzüge haben ihren Ursprung zuerst im Wesen Gottes.

Vater hat Sein eigenes zartes Verlangen und Sein eigenes zärtliches Herz in das Herz der Femininität – die sich sowohl in Männern als auch in Frauen ausdrückt – hineingelegt. Es ist wichtig, dass wir verstehen, dass auch Männer die Fähigkeit in sich tragen dieses zarte Verlangen der Femininität Gottes auszudrücken.  Jedoch ist es so, dass sich mehr von der Femininität Gottes  im weiblichen Körper befindet. Der weibliche Körper ist dafür gemacht zu nähren und sich fürsorglich zu kümmern.  Er ist ein prophetischer Ausdruck Gottes in Seinen femininen Attributen.  Eine stillende Mutter veranschaulicht deshalb Trost und Fürsorge.

Liebe ist eine Erwiderung von Liebe.

Ich stelle es mir folgendermaßen vor: Es ist die Mutter, oder die feminine Liebe, die uns Menschen unser Herz verleiht. Eine Mutter, die heil ist, lehrt die Kinder was es bedeutet zu lieben und geliebt zu werden. Sie verleiht ihrem Kind die Fähigkeit Liebe zu empfangen und aufzunehmen – wie ein Container, dessen Inhalt überfließt. Wir Menschen lernen durch Imitation. So lernen wir wie zu gehen, zu sprechen, zu essen, und viele andere Dinge. Aber wir müssen es auch lernen wie man liebt.

Storge—eine fürsorgliche Liebe

Liebe ist eine Erwiderung von Liebe. Wir lernen es zu lieben indem wir eine bestimmte Art von Liebe erwidern – eine fürsorgliche Liebe – Storge genannt auf griechisch. Anders als die anderen Formen der Liebe, beschreibt Storge die “Zuneigung innerhalb einer Familie” und vermittelt den Gedanken von Zärtlichkeit und Fürsorge.  Storge Liebe ist die Art von Liebe, die ein Lebensfundament in uns hineinlegt. Sie kommt ursprünglich von der Mutter, weil wir in ihrem Körper heranwachsen und von Geburt an von ihr getröstet und ernährt werden. Storge kommt jedoch auch vom Vater. Ein Vater kann seine Zuneigung dadurch zeigen, dass er das Zuhause beschützt und Angst und Sorge fernhält.  Storge Liebe wird auch maßgebend durch die weiteren Familienmitglieder, durch Geschwister, Großeltern, und andere, vermittelt.

Wir sind für Liebe geschaffen. Tatsächlich hat es Gott so vorgesehen, dass die erste Erfahrung unseres Lebens (in den Worten des Apostel Paulus) „in der Liebe verwurzelt und gegründet“ sei. Von Anfang an, sollte unser Leben in der Storge Liebe gegründet sein, so dass wir in Sein Ebenbild heranwachsen würden – und Gott ist Liebe!

Das feminine Ebenbild Gottes

Der Körper einer Frau ist dafür gemacht Fürsorge und Zärtlichkeit zu vermitteln. Das heißt nicht, dass das alles ist was eine Frau ausmacht – natürlich gehört da so viel mehr dazu. Ich möchte mit dieser Aussage also keine Beschränkungen auferlegen, sondern lediglich darauf aufmerksam machen, dass unsere gegenwärtige Kultur diese Realität grundlegend ablehnt und die Tatsache verneint, dass der Körper einer Frau dafür gemacht ist Fürsorge zu vermitteln. Das Resultat davon ist, dass wir uns immer weiter vom Ebenbild Gottes entfernen.

Gott hat etwas in das Feminine hineingelegt, auf das ein Baby ganz natürlich reagiert – Seine Weichheit und Zärtlichkeit.  Wenn ein Vater ein Baby hält vermittelt er etwas ganz anderes als die Mutter.  Das Baby fühlt die Stärke seiner Arme, die Festigkeit seiner Brust, die Sicherheit und Definition eines Mannes. Der Vater vermittelt das Gefühl eines klar definierten Rahmens, ‚der Welt da draußen‘, das Gefühle ‚des Anderen‘. Wenn jedoch eine Mutter ihr Baby im Arm hält, dann fühlt es Sanftheit und Zärtlichkeit, das Gefühl des ‚Versinkens‘, das Gefühl des Eins sein.

Wir wurden geboren, um dieses Eins sein zu fühlen.  Es war nie beabsichtigt, dass wir uns allein fühlen würden.  Gott hat uns nicht dafür geschaffen.  Eines unserer größten Bedürfnisse als Menschen, ist das Gefühl der Zugehörigkeit – zu wissen, dass dies mein Platz ist, zu fühlen, dass dies mein wahres Zuhause ist. Dieses Gefühl wird uns zuerst von unserer Mutter verliehen. Sie heißt uns durch ihren Blick willkommen und kommuniziert dies auch verbal – durch Worte, aber auch durch den Ton ihrer Stimme und der Sanftheit in ihrer Sprache. Gott hat es so vorgesehen, dass wir den mütterlichen Klang ihrer Stimme vernehmen und ihre lebensspendenden Worte empfangen – Worte, die uns beruhigen und trösten.

Die feminine Liebe, ist die einzige Liebe, die es vermag das nötige Fundament in uns hineinzulegen. Denn für viele von uns ist es leider so, dass unsere Lebenswurzeln noch nicht tief genug herabreichen in die reine und heilige Liebe Gottes, die Er ursprünglich für uns vorgesehen hat. Deshalb offenbart sich Gott nicht nur als Vater, sondern auch als „Mutter.“ Wir können Seine Fürsorge empfangen, die uns aufbaut, und nicht zerstört. Seine feminine Liebe wird unser Leben in Heiligkeit gründen, weil wir nun über eine Quelle der Intimität und der Zugehörigkeit verfügen.

Unsere Gebrochenheit

Das ist die Liste der Geschlechterfolge nach Adam: Am Tag, da Gott den Menschen erschuf, machte er ihn Gott ähnlich. Als Mann und Frau erschuf er sie, er segnete sie und nannte sie Mensch an dem Tag, da sie erschaffen wurden. Adam war hundertdreißig Jahre alt, da zeugte er einen Sohn, der ihm ähnlich war, wie sein Abbild, und nannte ihn Set. (Genesis 5, 1-3, Einheitsübersetzung)

Adam und Eva wurden im Ebenbild Gottes geschaffen. Aber sie fielen, und nachdem sie den Garten verlassen mussten, und das Leben für das sie geschaffen worden waren sich in einen Alptraum verwandelte, lesen wir, dass sich etwas dramatisch veränderte.  Adam und Eva wurden in Gottes Ebenbild geschaffen, aber sie brachten ihre Kinder in diesem gefallenen Zustand hervor. Von diesem Moment an lebten Männer und Frauen in einem Zustand der gefallenen Maskulinität und Femininität. Dies verzerrte die wahre Bedeutung der Liebe und wurde von Generation zu Generation weitergegeben.

Wenn unsere Seelen nicht tief in einer reinen Liebe verwurzelt sind, wird dies automatisch negative Konsequenzen in unserem Leben hervorbringen.  Ich glaube, dass dies der Grund ist für so viel Zorn, Feindseligkeit, Unsicherheit und Depression in unserer heutigen Kultur. Da ist soviel Leere im Leben von Menschen, weil der reiche Nährboden der Liebe einfach nicht vorhanden ist. Die meisten von uns haben dies nie durch unsere natürliche Zeugung, Geburt und Kindheit hindurch erfahren, aber der Vater kann zu uns kommen und uns tief in Seiner Liebe gründen und festigen.

Du und ich wurden im Herzen Gottes gezeugt, lange bevor wir im Leib unserer Mutter gezeugt wurden. Er ist der Ursprung und die Quelle unseres Lebens. Deshalb können wir unseren Anfang weiter zurück verfolgen als unsere natürliche Zeugung und Gott an diesem Ort der ursprünglichen Liebe begegnen. Wir können Ihn an der Quelle aller Annahme treffen.  Da Er selbst diese Quelle ist, kann Er zu uns kommen und uns mit der ursprünglichen Liebe versorgen, die unsere Herzen so dringend benötigen.

Durch die Schrift hindurch lesen wir von wundervolle Wundern der Heilung im Leben verschiedener Menschen, zu denen Gott der Vater – als eine Mutter – kam und sie tief in ihrem Geist berührte. Er berührte dabei das Fundament des menschlichen Lebens, den Kern unserer Existenz. Dabei offenbarte Er sich nicht nur als Vater, sondern auch in der Zärtlichkeit und Fürsorge einer liebenden Mutter.

Das Herz eines Königs, gegründet in Liebe

König David, der Hirten-König Israels, wusste was es bedeutet sich auf das fürsorgliche Mutterherz des Vaters zu verlassen.  In Psalm 131 schreibt er, unter der unglaublichen Last seiner Verantwortung als Heeresführer und politischem Oberhaupt der Nation:

Herr, mein Herz überhebt sich nicht, nicht hochmütig blicken meine Augen, ich gehe nicht um mit großen Dingen, mit Dingen, die mir nicht begreiflich sind. Vielmehr habe ich besänftigt, habe zur Ruhe gebracht meine Seele. Wie ein gestilltes Kind bei seiner Mutter, wie das gestillte Kind, so ist meine Seele in mir.

 Der große König von Israel spricht hier über sich selbst als ein Kind an der Brust seiner Mutter. Das Wort „gestillt“ beschreibt hier ein Kind, dass so vollkommen satt, zufrieden und voll mit der Milch seiner Mutter ist, dass es glücklich und zufrieden an ihrer Brust eingeschlafen ist. Was für ein Bild: Der König hat all seine schweren Last abgelegt und liegt gesättigt an der Brust von El Shaddai.

Das Mutterherz des Vaters

Wir lesen in Jesaja 49,15:

“Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, ohne Erbarmen sein gegenüber ihrem leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergisst: Ich vergesse dich nicht.“

Gott, der Vater, vergleicht sich hier nicht nur mit einer Mutter, sondern sogar mit einer stillenden Mutter. Mit diesen Worten beschreibt Er die Art von Liebe, die ihren Schlaf opfert, die sogar für uns sterben würde. Diese Liebe wird immer für uns da sein, wenn wir vor Schmerzen schreien oder uns fürchten. Die Art von Liebe, die niemals aufhört und alle Zeit überdauert!

Aufgrund unseres gefallenen Zustandes ist es tatsächlich möglich, dass eine Mutter ihr Kind vergisst oder es ihr an Liebe mangelt. Aber Gott sagt hier: “Auch wenn sie vergessen würde, ich werde dich nicht vergessen!”  Er ist eine viel bessere Mutter als es selbst die beste Mutter auf Erden jemals sein könnte. Er ist der Ursprung und der Ausdruck aller Mutterschaft. Er sagt hier: “Meine Fähigkeit dich zu trösten und als Mutter zu lieben ist unendlich viel größer!”

Später lesen wir dann in der Prophetie von Jesaja 66,13:

“Wie eine Mutter, die ihr Kind tröstet, so werde ich euch trösten; und ihr werdet getröstet sein …” (Direkt aus dem Englischen übersetzt.)

Wie eine Mutter ihr Kind tröstet, ist das nicht unglaublich? Eine Mutter tröstet ihr Kind anders als ein Vater.  Wenn ein Kind, zum Beispiel, im Garten hinfällt und weinend, mit seinem aufgekratzten Knie, nach drinnen rennt, wird der Vater – falls er hm zuerst begegnet – sich für gewöhnlich herabbeugen, dem Kind wahrscheinlich auf die Schulter klopfen und zu ihm sagen: „Es ist alles in Ordnung. Du kannst weiterspielen. Das verheilt wieder!“ Eine Mutter jedoch beugt sich herab und nimmt das Kind in ihre Arme. Sie hält es fest, beruhigt es und lässt es ausweinen, während sie es tröstet.

Vater liebt uns mit einer vollkommenen Liebe

Wenn wir nicht in dieser fürsorglichen Liebe gegründet und verwurzelt sind, in der Tiefe der Heiligkeit, werden wir unser ganzes Leben vergeblich danach suchen. Nichts anderes wird uns jemals zufrieden stellen. Selbst unsere romantischen Beziehungen werden dieses Verlangen nur bis zu einem gewissen Grad stillen, und ein tieferer Hunger wird immer an unserer Seele zerren. Wir alle brauchen den Vater – nicht nur Seine maskuline, sondern auch Seine feminine Seite. Er liebt uns nicht nur als Vater, sondern auch als Mutter. Wir können jetzt in diesem Moment zu Ihm kommen und Seine fürsorgliche Liebe in der Tiefe unseres Seins empfangen.

(Anmerkung: Denise Jordan ist die Gründerin von Fatherheart Ministries International.  Ihr erstes Buch ‚The Forgotten Feminine‘ kann durch uns bezogen werden.)

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.